Man erkennt gute Gespräche daran, dass niemand auf sein Handy schaut. Berlin-Kreuzberg, ein Novemberabend: Draußen nieselt es, drinnen sitzen rund hundert Menschen dicht an dicht, konzentriert, aufmerksam. Kein DJ, kein Produkt-Launch. Stattdessen ein schwarzes Ledersofa, ein Mikrofon und die Gastgeber Marc Sasserath und Christine Pluess, die lieber eine ehrliche Frage stellen als ein Versprechen zu machen. Eine Stunde lang. In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit zur knappsten Ressource geworden ist, ist das bemerkenswert. Die Gespräche sind live, roh, ungeschnitten und mild-provokativ.
Zu Gast waren unter anderem Yasin Müjdeci, Voo Store, David Kugler, Daluma, Philipp Bree und der Fotograf Olaf Heine. Das Format heißt: „Le Black Sofa – Gespräche mit Unternehmern über Stil, Mode und Verantwortung.“
Der Ort dieser Gespräche ist Supermarque. Gegründet im November 2024 in Berlin-Kreuzberg, offiziell ein Concept Store für Männermode, inoffiziell ein sozialer Raum. Entstanden, weil klassische Antworten auf die Frage „Wie verkauft man heute Mode?“ nicht mehr funktionieren – und weil Männer selten einfach so in Läden kommen. Also musste ein Grund her: Gespräche, Abende, Begegnungen.
Das Sofa selbst trägt einen Teil der Geschichte. Ein geschenktes schwarzes Le-Corbusier-Ledersofa aus dem letzten Jahrtausend. Persönliches Vintage. Genau deshalb funktioniert es. Und es reist: Paris, Zürich, Mönchengladbach. Wenn ein Gespräch gut ist, kann es überall stattfinden.
Supermarque sagt offen, wofür es steht: „Fuck Fast Fashion.“ Nachhaltig kaufen. Weniger, besser. Kleine Familienunternehmen unterstützen, so lokal wie möglich. Dazu eigene Produkte, Kollaborationen, nahestehende Brands und ein kuratiertes Netzwerk aus Menschen und Ideen. Le Black Sofa ist das Format, das all das zusammenhält. 2026 soll es nach New York und Dubai reisen – nicht als Expansion um jeden Preis, sondern als organisches Weitererzählen einer Idee: dass ein Laden wieder ein Ort sein kann.
An diesem Abend sitzt T-Michael auf dem Sofa. Designer, Schneider, Mitgründer von Norwegian Rain. Eine Erscheinung, die nicht inszeniert werden muss. Für Marc war es „Liebe auf den ersten Blick“.
T-Michael beginnt mit einem Blick ins Publikum. Wenn er in einem Raum mit Menschen aus allen Lebensbereichen sitzt, realisiert er, wie viele das eigene Tun berührt. „Daran denkst du nie, wenn du im Atelier sitzt.“ Der Ton des Abends ist klar: weniger Selbstdarstellung, mehr Verantwortung. Weniger Marke, mehr Mensch.
Seine Biografie ist nicht linear: geboren in Ghana, Jahre in London, seit Jahrzehnten in Norwegen. Dort wird aus einer Begegnung eine Idee: ein Regenmantel. Aus dem Gespräch entsteht Norwegian Rain. In Bergen, wo Regen Alltag ist, wird „kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ zur Designaufgabe.
Norwegian Rain soll ein Mantel sein, der auch am dritten Tag funktioniert – an dem, an dem es nicht mehr regnet. Stil ohne Kompromisse. Internationaler Erfolg klingt nach Glück, sagt man.
T-Michael widerspricht: Glück helfe, aber entscheidend sei Vorbereitung. Produkt, Qualität, Bilder, Website – alles müsse stimmen, bevor man sichtbar werde.
Warum Berlin, warum Supermarque? Das erste Gespräch habe sofort „Boom. Click.“ gemacht. Gleiche Haltung, gleiche Neugier. Und weil Arbeit hart genug ist, sollte man sie mit Menschen machen, die man mag. „Ich liebe euch“, sagt T-Michael. Das Publikum lacht. Nachhaltigkeit bedeutet für ihn: wenig kaufen, bewusst tragen, lange behalten. Stil sei kostenlos. Verantwortung liege nicht nur bei Marken, sondern beim Menschen.
Die letzte Frage des Abends geht über Mode hinaus: Wie bekommt Nachhaltigkeit Wert, damit sie bleibt? Vielleicht ist das die Botschaft dieses Abends: Männer kommen nicht wegen Produkten. Sie bleiben wegen Bedeutung. Und manchmal reicht dafür ein schwarzes Sofa. Norwegian Rain ist in Deutschland exklusiv bei Super-marque erhältlich. Alle Folgen von
Le Black Sofa gibt es als Podcast auf Spotify. Aktuelle Infos finden Sie auf
Instagram @supermarque.official

