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Zukunft Hollywood

„Only the Best“ sprach mit der deutschen Schauspielerin Vanessa Eichholz über den Wandel der Filmindustrie in Hollywood.
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Zukunft Hollywood

Vanessa, 2019 hast du im Kinofilm „Hellboy: Rise of the Bloodqueen“ mit Milla Jovovich und David Harbour mitgespielt. Seitdem ist viel passiert, bei Dir und in der Filmindustrie?

„Hellboy“ mit Milla und David in Bulgarien zu drehen, war eine tolle Erfahrung. Es war die bisher größte Produktion für mich. Bei einer so großen Produktion wird einem erst bewusst, wie viele Leute am Erfolg eines solchen Blockbusters beteiligt sind. Zuvor habe ich mit demselben Regisseur bei der bekannten Netflix-Serie „Lost in Space“ mitgespielt.  So läuft es dann oft, man wird immer wieder von den gleichen Leuten gecastet.

Seit deinem Kinoerfolg bist du immer wieder in Amerika und hast Hollywood hautnah erlebt. Wie schätzt du die Situation der Filmbranche heute ein? Kannst du Beispiele nennen, die sich konkret verändert haben?

Die Pandemie war natürlich ein großer Einschnitt für die Filmbranche. Monatelange Drehpausen oder gar Drehunterbrechungen treiben das Budget eines Films schnell in die Höhe. Viele Aufträge wurden damals abgesagt und als Künstler bekommt man oft nur wenig Unterstützung vom Staat. Außerdem sind die Streamer während der Pandemie noch weiter gewachsen, weil die Leute in dieser Zeit kaum oder gar nicht ins Kino gegangen sind. Die Streamer haben in Hollywood vieles auf den Kopf gestellt. Zum Beispiel werden für Wiederholungen weniger Gagen gezahlt als im normalen Fernsehen.

Einer der längsten und größten Streiks in der Geschichte Hollywoods ist erst vor kurzem zu Ende gegangen. Drehbuchautoren und Schauspieler kämpften für bessere Schauspielrechte und Arbeitsbedingungen und konnten sich durchsetzen. Welche positiven und negativen Auswirkungen wird dieser Streik auf die Filmbranche haben?

Der Streik war auf jeden Fall historisch. Schon seit vielen Jahren hat sich abgezeichnet, dass die niedrigeren Gagen und Wiederholungsgagen der Streamer enorme Auswirkungen auf die Branche haben. In früheren Zeiten konnte man in den USA auch als relativ unbekannter Schauspieler, der immer wieder in Produktionen oder Werbefilmen mitwirkte, trotzdem einen ordentlichen Lebensunterhalt verdienen. Es gab die so genannten Mittelklasse der Schauspieler, die es in Deutschland eigentlich gar nicht gibt. Sinkende Gagen, Verlagerung von Produktionen in andere Städte oder Länder gefährden dieses lange funktionierende System. Damit verlieren viele Schauspieler auch ihre Krankenversicherung, da sie das Mindestmaß nicht mehr verdienen, viele müssen sich nun als Statisten ein Zubrot verdienen, um weiterhin in der Krankenversicherung zu bleiben. Die jetzt getroffene Vereinbarung ist bei weitem nicht perfekt, aber sie hat die Ausgangslage verbessert.

Inwiefern spielt KI in der Filmbranche eine Rolle?

KI wird die Filmindustrie nachhaltig verändern. Es wird befürchtet, dass KI Statisten, Kleindarsteller oder auch Synchronsprecher teilweise ersetzen wird. KI war ja ein großer Bestandteil des Streiks der US-Schauspielgewerkschaft SAG-AFTRA und der Gewerkschaft der Drehbuchautoren WGA („Writers Guild of America“) und wird sicherlich in drei Jahren, wenn die jetzigen Verträge auslaufen, neu verhandelt werden müssen. KI kann z.B. auch verstorbene Stars auf der Leinwand wieder auferstehen lassen und man wird als Schauspieler sicherlich genau aufpassen müssen, wann und wie KI hilfreich eingesetzt werden kann. Ich denke, wir müssen den neuen technischen Entwicklungen eine Chance geben, denn sie werden so oder so kommen, und uns gleichzeitig als Künstler so gut wie möglich schützen.

Wie wirkt sich das auf junge Schauspieler, Castings, Dreharbeiten & Co. aus?

Wenn man in den USA anfängt zu drehen, sammelt man oft zunächst Erfahrungen als Statist. Das kann einen guten Einblick geben, wie solche Sets funktionieren und was von Schauspielern verlangt wird. Das wird in Zukunft durch die KI schwieriger werden, weil man die Statisten als Person auf Dauer gar nicht mehr braucht. Castings sind inzwischen fast flächendeckend auf E-Castings übergegangen, das heißt, man nimmt sich selbst von zu Hause aus auf. Das bedeutet für die Schauspieler viel mehr Aufwand, da man sich neben dem eigentlichen Schauspiel auch noch um Licht, Ton und Kamera kümmern muss. Ein Casting, dass früher nach 20-30 Minuten im Casting-Büro abgehandelt war, kann dann von zu Hause aus schon mal einen halben oder ganzen Tag in Anspruch nehmen. Das ist viel unbezahlte Arbeit, denn ein Casting ist  ja kein Arbeitsauftrag.

Du lebst jetzt wieder in München und hast zuletzt in der TV-Serie „Herzogpark“ und dem Kinofilm „The Man with the Camera“ mitgespielt. Gibt es Parallelen zwischen der Filmindustrie in Hollywood und der in Deutschland?

Hollywood und Deutschland ticken in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich. Um auf beiden Märkten bestehen zu können, muss man sich intensiv damit auseinandersetzen. Der deutsche Markt ist viel kleiner und es werden oft die gleichen Gesichter gecastet, um das Risiko zu minimieren. Wer sich hier etabliert hat, bleibt meist viele Jahre im Geschäft. In den USA muss man sich immer wieder neu beweisen, was dauerhafte Karrieren etwas schwieriger macht, aber auch neuen Talenten eher eine Chance gibt. In Deutschland ist es verpönt, nicht Schauspiel studiert zu haben, in den USA gibt es oft Quereinsteiger oder Leute, die über eine Daily Soap dann in ernstzunehmende Produktionen wechseln. Generell sind beide Märkte von Unsicherheit und Veränderung geprägt.

Kannst Du uns etwas über Deine aktuellen Projekte erzählen und wie Du Deinen kreativen Ausdruck in beiden Welten auslebst?

Der Schauspielerstreik in den USA ist nun endlich vorbei und es bahnen sich einige Projekte dort an. In Deutschland stehen erst einmal ein paar Moderationen und Mitte des Jahres ein Schauspielprojekt an. Zudem bin ich dieses Jahr zum ersten Mal in der Vorauswahljury des Deutschen Schauspielpreises. Das bereitet mir sehr viel Freude. Am schönsten ist es doch, wenn man seine Kollegen unterstützen kann.

Wie findest Du die Balance zwischen den beiden Welten und welche Herausforderungen gibt es dabei?

Eine große Herausforderung ist, dass man sich (noch) nicht an jeden Ort beamen kann. Oft finden gleichzeitig Projekte oder Events statt und man muss sich dann für eines entscheiden. Zudem bleibt das Privatleben natürlich auch etwas auf der Strecke, wenn man viel pendelt. Deshalb fokussiere ich mich momentan mehr auf den deutschen Markt. Das muss nicht für immer so bleiben, aber im Moment macht es karrieretechnisch einfach mehr Sinn.