KUNST & DESIGN

Stoff für Generationen – Riani

Stilbewusstsein als Familienerbe: Mit RIANI schuf die Familie Buckenmaier eine Modewelt, in der unternehmerische Vision auf ein tief verwurzeltes Miteinander treffen. Heute geht es längst um mehr als Kleidung. Ein Gespräch über Leidenschaft für Qualität und das besondere Band einer Familie, die Tradition und Moderne konsequent lebt. Unsere Autorin Julia Heinz traf Familie Buckenmaier zum persönlichen Interview.
Autor: 
Julia Heinz
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Stoff für Generationen – Riani

Es gibt Orte, die eine besondere Ruhe ausstrahlen, obwohl dort mit Hochdruck an der Zukunft gearbeitet wird. Wer die gläserne Manufaktur am RIANI-Platz 1 in Schorndorf betritt, spürt sofort: Hier geht es um weit mehr als um Textilien. Alles begann 1968 mit einer Schlaghose, die sich über 100.000-mal verkaufte und mit der Firmengründer Jürgen Buckenmaier den Grundstein für eines der erfolgreichsten deutschen Premium-Labels legte.

Die legendäre „Bucki-Hose“ ist längst Geschichte, geblieben sind die Liebe zu hochwertigen Stoffen, perfekter Passform und europäischer Handwerkskunst. Heute führen Tina und Mona Buckenmaier das Familienunternehmen gemeinsam weiter. Dass RIANI aus Baden-Württemberg stammt, überrascht viele – klingt der Name doch eher nach Mailand als nach Schwaben. Doch genau diese Verbindung aus Bodenständigkeit und internationalem Anspruch prägt die Marke bis heute.

RIANI definiert sich längst nicht mehr nur über Mode. Ob hauseigener Wein, Charity Dinner oder Wellbeing-Projekte – Unternehmertum und Lebensart verschmelzen zu einer Haltung. Unter Monas Führung entwickelte sich das Traditionshaus zunehmend zur Lifestyle-Marke, die Werte wie Verlässlichkeit, Qualität und Gemeinschaft modern interpretiert.

Wir treffen die Familie Buckenmaier im Headquarter in Schorndorf, mit Blick auf die Weinberge – und sprechen über Tradition, Wandel und die Zukunft von RIANI.

RIANI GILT ALS PARADEBEISPIEL FÜR EIN FAMILIENUNTERNEHMEN IM PREMIUM-SEGMENT. WIE SCHWIERIG IST ES, SCHWÄBISCHE BODENSTÄNDIGKEIT MIT INTERNATIONALEM LUXUSANSPRUCH ZU VERBINDEN?

Jürgen Buckenmaier (JB): Gar nicht schwierig – eher selbstverständlich. Der Anspruch, Dinge ständig weiterzuentwickeln und neu zu denken, gehört seit jeher zu unserer DNA. Baden-Württemberg ist nicht umsonst das Land der Erfinder. Entscheidend sind ohnehin nicht Regionen, sondern Menschen, ihre Haltung und ihr Qualitätsanspruch. Genau daraus entsteht diese Verbindung aus Bodenständigkeit und Premiumanspruch. Wir haben nie versucht, etwas zu inszenieren, das wir nicht sind. Unsere Wurzeln in Schorndorf geben uns Stabilität und Authentizität. Gleichzeitig denken wir international und beobachten sehr genau, wie sich Märkte, Kundinnen und Ansprüche verändern. Gerade diese Mischung aus schwäbischer Verlässlichkeit und Offenheit für Neues macht RIANI aus.

IHR PRODUZIERT ÜBERWIEGEND IN EUROPA UND ARBEITET TEILS SEIT JAHRZEHNTEN MIT DENSELBEN PARTNERN. IST DIESE LOYALITÄT AUCH EIN GEGENENTWURF ZUR SCHNELLLEBIGKEIT DER BRANCHE?

Tina Buckenmaier (TB): Absolut. Für uns ist das gelebte Nachhaltigkeit. Wir produzieren dort, wo Materialien ihren Ursprung haben. Unser Ziegenvelours beziehen wir seit über 40 Jahren vom selben Partner, inzwischen in dritter Generation. Diese Kontinuität schafft Vertrauen und Qualität. Gleichzeitig sollen alle entlang der Wertschöpfungskette fair profitieren. Vielleicht ist genau das unser Gegenentwurf zu einer anonymen Fast-Fashion-Welt. Uns geht es nicht darum, möglichst schnell oder billig zu produzieren. Wir möchten langlebige Produkte schaffen, die Frauen über viele Jahre begleiten. Deshalb investieren wir lieber in Qualität, in langfristige Beziehungen und in echtes Handwerk. Viele unserer Partner kennen wir seit Jahrzehnten – daraus entsteht eine Tiefe der Zusammenarbeit, die man am Ende auch im Produkt spürt.

DAS HEADQUARTER VEREINT ATELIER, SHOWROOM, BÜROS UND RÜCKZUGSORTE WIE SPA ODER POOL. STECKT DAHINTER RECRUITING ODER DIE ÜBERZEUGUNG, DASS KREATIVITÄT NUR IN GUTER ATMOSPHÄRE ENTSTEHT?

TB: Ganz klar Letzteres. Wir wollten einen Ort schaffen, der inspiriert und Menschen verbindet. Dahinter steckt kein kurzfristiger Recruiting-Gedanke, sondern die Überzeugung, dass in einer wertschätzenden Umgebung Kreativität und echtes Miteinander entstehen. Deshalb gibt es Räume für Austausch ebenso wie Rückzugsorte.

Unser Headquarter sollte nie ein klassisches Bürogebäude sein. Wir wollten einen Ort entwickeln, der die Haltung der Marke widerspiegelt: offen, warm, hochwertig und menschlich. Wenn Menschen sich wohlfühlen, entstehen Ideen, Motivation und Loyalität fast automatisch. Genau das erleben wir hier jeden Tag.

IN DER „COSY KITCHEN“ ESSEN GESCHÄFTSFÜHRUNG UND AUSZUBILDENDE GEMEINSAM. GIBT ES EINEN MOMENT, DER DEN RIANI-SPIRIT BESONDERS GUT BESCHREIBT?

TB: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Mittagessen, bei dem eine duale Studentin eine Idee eingebracht hat, die sofort offen aufgenommen wurde. Genau dieses Miteinander auf Augenhöhe beschreibt den RIANI-Spirit. Erfahrung trifft auf frische Perspektiven – daraus entsteht Zukunft. Wir erleben oft, dass gerade junge Mitarbeiterinnen Impulse geben, die bestehende Prozesse bereichern. Gleichzeitig profitieren sie von der Erfahrung langjähriger Kollegen. Diese Mischung schafft eine besondere Dynamik und ein familiäres Gefühl, das viele Menschen bei RIANI sehr schätzen.

AUCH EURE KUNDINNEN SCHEINEN TEIL DIESER GEMEINSCHAFT ZU SEIN. WIE ENTSTANDEN DIE „RIANISTAS“?

TB: Die „RIANISTAs“ sind nie als Marketingidee entstanden, sondern organisch gewachsen. RIANI sollte immer mehr sein als Mode – eher ein Gefühl von Zugehörigkeit. Unsere Mitarbeiter leben diese Haltung authentisch nach außen, und genau das spüren die Kundinnen. Das schönste Kompliment war einmal: „Wenn ich RIANI trage, fühle ich mich wie die beste Version von mir selbst.“ Genau darum geht es. Mode soll Frauen nicht verkleiden, sondern stärken und ihre Persönlichkeit unterstreichen. Mit der Zeit ist daraus eine echte Community entstanden. Viele Kundinnen begleiten uns seit Jahren, manche sogar über Generationen hinweg. Dieses Vertrauen ist für uns etwas sehr Wertvolles.

RIANI WIRD OFT ALS GROßE FAMILIE BESCHRIEBEN. WIE SCHAFFT IHR DEN SPAGAT ZWISCHEN PROFESSIONALITÄT UND FAMILIÄRER NÄHE?

Tina & Mona Buckenmaier (MB): Durch klare Rollen und offene Kommunikation. Wir haben definierte Verantwortungsbereiche und gleichzeitig eine ehrliche Streitkultur. Herzlichkeit bedeutet für uns nicht Konfliktvermeidung, sondern respektvollen Austausch mit dem gemeinsamen Ziel, die beste Entscheidung für RIANI zu treffen. Natürlich diskutieren wir intensiv und haben manchmal unterschiedliche Ansichten. Aber genau daraus entstehen oft die besten Lösungen. Wichtig ist, dass immer der gemeinsame Anspruch im Mittelpunkt steht: das Beste für die Marke und für die Menschen, die mit ihr verbunden sind.

WAS LERNT IHR IM AUSTAUSCH ZWISCHEN DEN GENERATIONEN VONEINANDER?

TB & MB: Erfahrung bringt Ruhe und Weitblick, die jüngere Generation hinterfragt Bestehendes und bringt neue Perspektiven ein. Genau daraus entsteht Dynamik. Es geht nie darum, wer recht hat, sondern gemeinsam die beste Lösung zu finden. Wir schätzen diesen Austausch sehr, weil beide Seiten voneinander profitieren. Die ältere Generation kennt die Geschichte und Entwicklung der Marke bis ins Detail, während die jüngere neue Denkweisen und digitale Perspektiven einbringt. Diese Balance macht RIANI stark.

MONA, WELCHES PRINZIP DEINES VATERS WÜRDEST DU TROTZ DIGITALISIERUNG NIEMALS AUFGEBEN?

MB: Das Vertrauen in Menschen und persönliche Beziehungen. Mein Vater hat RIANI durch Instinkt, Nähe und echte Partnerschaften aufgebaut. Daten sind wichtig, aber Entscheidungen entstehen am Ende immer auch aus Erfahrung, Empathie und persönlichem Gespür. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt wird das Persönliche wieder wertvoller. Kundinnen spüren sehr genau, ob eine Marke authentisch ist. Deshalb möchten wir trotz aller Innovation immer nahbar bleiben.

TINA, IHR HABT GERADE DEN NEUEN FLAGSHIP-STORE IN HAMBURG ERÖFFNET. WIE TRANSPORTIERT IHR DORT DAS TYPISCHE RIANI-GEFÜHL?

TB: Unser Ziel ist nie nur ein Store, sondern ein Ort, an dem man sich willkommen fühlt. Das beginnt bei der Gestaltung, lebt aber vor allem durch die Menschen. Unsere Teams transportieren diese Herzlichkeit und dieses ehrliche Interesse an der Kundin. Genau das macht RIANI aus. Jeder Store trägt die gleiche Handschrift, gleichzeitig darf jeder Standort seine eigene Persönlichkeit haben. Es geht uns nicht um sterile Luxuswelten, sondern um echte Begegnungen und Wohlfühlatmosphäre.

2013 WART IHR ERSTMALS AUF DER FASHION WEEK IN BERLIN, HEUTE IST DIE „RIANI CRUISE“ EIN HIGHLIGHT DER BRANCHE. WIE VERÄNDERT SICH MODE?

TB: Mode wird heute weniger präsentiert als erlebt. Früher standen klassische Shows im Mittelpunkt, heute suchen Menschen emotionale Erlebnisse und echte Begegnungen. Genau deshalb entwickeln wir Formate ständig weiter und schaffen neue Inszenierungen. Die Branche hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Kundinnen möchten inspiriert werden und sich mit Marken identifizieren können. Deshalb reicht es heute nicht mehr, nur schöne Kleidung zu zeigen – man muss Geschichten erzählen und Erlebnisse schaffen.

DAS CHARITY DINNER IM HEADQUARTER IST FESTER BESTANDTEIL EURER UNTERNEHMENSKULTUR. WOHER KOMMT DIESES SOZIALE ENGAGEMENT?

MB: Für uns ist das selbstverständlich und Herzensangelegenheit zugleich. Als Familienunternehmen tragen wir Verantwortung über das Unternehmen hinaus. Wir sind tief in der Region verwurzelt und möchten etwas zurückgeben. Das Charity Dinner bringt Menschen zusammen und zeigt, wie viel möglich ist, wenn man gemeinsam etwas bewegt. Gerade diese Verbindung aus Unternehmertum und gesellschaftlicher Verantwortung ist uns wichtig.

JÜRGEN, 2019 WURDEST DU MIT DER WIRTSCHAFTSMEDAILLE DES LANDES BADEN-WÜRTTEMBERG AUSGEZEICHNET. WAS BEDEUTET DIR DIESE EHRUNG?

JB: Ich sehe sie weniger als persönliche Auszeichnung, sondern als Anerkennung dessen, was wir gemeinsam aufgebaut haben. Kein Unternehmen wächst allein. Diese Ehrung steht für das gesamte Team und die Werte, die RIANI seit Beginn prägen. Viele Mitarbeiter begleiten uns seit Jahrzehnten. Diese Loyalität und dieser Zusammenhalt sind etwas Besonderes.

WELCHES UNGESCHRIEBENE GESETZ HAST DU TINA UND MONA MITGEGEBEN?

JB: Solide wachsen und unabhängig bleiben. Für mich war es immer wichtig, ein Unternehmen Schritt für Schritt aus eigener Kraft aufzubauen. Ebenso wichtig ist Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern. Wenn Menschen sich gesehen fühlen, entsteht nachhaltiger Erfolg fast automatisch. Unternehmerischer Erfolg darf nie zulasten von Menschlichkeit gehen. Genau diese Haltung wollten wir immer vorleben.

MIT PROJEKTEN WIE DEM STUDIO FIVE ERWEITERT IHR RIANI UM WELLBEING-THEMEN. ENTWICKELT SICH DIE MARKE ZUNEHMEND ZU EINEM GANZHEITLICHEN LIFESTYLE-KOSMOS?

MB: Absolut. Wir verstehen RIANI längst nicht nur als Fashion-, sondern als Lifestyle-Brand. Unsere Kundin möchte sich wohlfühlen, aktiv sein und gleichzeitig Stil leben. Mit studio five und unserer „RIANI On The Go“-Kollektion begleiten wir sie über Mode hinaus. Es geht darum, Frauen in ihrem Alltag zu begleiten – nicht nur mit Kleidung, sondern mit einem Lebensgefühl. Wellbeing, Bewegung und Balance spielen dabei eine immer größere Rolle.

TRADITION KANN IN DER MODE SCHNELL ZUM KORSETT WERDEN. WO MUSSTET IHR BEWUSST MIT TRADITIONEN BRECHEN?

TB: Eigentlich gar nicht. Die 68er standen selbst für Aufbruch und Veränderung. Deshalb geht es für uns weniger um Brüche als um ständige Weiterentwicklung. Wir hinterfragen uns kontinuierlich, ohne unsere Identität zu verlieren. Wir glauben nicht an künstliche Verjüngung oder kurzfristige Trends. Viel wichtiger ist es, relevant zu bleiben und sich weiterzuentwickeln, ohne den eigenen Kern aufzugeben.

JÜRGEN, WENN DU HEUTE AUF DER TERRASSE DES HEADQUARTERS SITZT – IST RIANI SO GEWORDEN, WIE DU ES DIR ERTRÄUMT HAST?

JB: Ehrlich gesagt sogar noch besonderer. Natürlich ist die Marke gewachsen und international geworden. Aber am meisten erfüllt mich, dass wir uns dabei treu geblieben sind. Aus einer Idee wurde nicht nur ein Unternehmen, sondern eine Gemeinschaft. Der größte Erfolg ist für mich nicht eine Zahl oder ein Meilenstein, sondern zu sehen, wie Menschen über viele Jahre Teil dieser Reise geblieben sind und neue Generationen hinzukommen.

UND WAS WÜNSCHT IHR EUCH FÜR DIE NÄCHSTEN ZEHN JAHRE?

Alle: Dass RIANI weiterhin ein vertrautes Zuhause bleibt – für Mitarbeiter ebenso wie für Kundinnen. Wir möchten offen für Neues bleiben, ohne unsere Werte zu verlieren. Die Balance aus Tradition, Leichtigkeit und Authentizität soll auch künftig das Herz der Marke bleiben. Wir wünschen uns, dass die Marke auch in Zukunft Menschen verbindet und sich trotz aller Weiterentwicklung immer noch wie ein Stück Familie anfühlt. Genau darin liegt für uns die wahre Stärke von RIANI.

www.riani.com