GENUSS & REISE

Die besten 48 Stunden Sevilla

„What a difference a day makes...” sang einst Dinah Washington und erzählte, was in „twenty-four little hours” alles passieren kann. Für Only the Best werden an dieser Stelle verschiedene Autoren weitere 24 Stunden hinzufügen und Ihnen jeweils „Die besten 48 Stunden“ in einer Region, einer Stadt oder auf einer Insel präsentieren. Lassen Sie sich an Orte mitnehmen, die mir immer wieder wunderbare Gründe geben, zurückzukehren.
Autor: 
Julia Holsten
, Fotograf: 
Advertorial
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Die besten 48 Stunden Sevilla

Sevilla ist keine Stadt, die man einfach besucht. Sevilla ist ein Gefühl – eines, das sich leise anschleicht und dann bleibt. Es liegt in der warmen Abendluft, die selbst im Frühling nach Sommer schmeckt, im süßen Duft von Orangenblüten, der durch die Gassen zieht, und im Klang von Flamenco, der irgendwo zwischen Innenhöfen und kleinen Plätzen auf einmal präsent ist. Vor allem aber ist es dieses unverwechselbare Licht: golden, weich und fast unwirklich, das die Fassaden der Altstadt in eine Kulisse verwandelt, die eher gemalt als gebaut scheint.

Die Geschichte Sevillas ist dabei ebenso schillernd wie ihre Gegenwart. Als einstiges Tor zur Neuen Welt war die Stadt im 16. Jahrhundert das pulsierende Zentrum des Welthandels. Von hier aus stachen die Schiffe Richtung Amerika in See, beladen mit Hoffnung, Ehrgeiz und Abenteuerlust – und kehrten zurück mit Gold, Gewürzen und Geschichten aus fernen Kontinenten. Dieser Reichtum hinterließ Spuren, die bis heute sichtbar sind: in prachtvollen Palästen, opulenten Kirchen und kunstvollen Innenhöfen, die von einer Zeit erzählen, in der Sevilla zu den reichsten und einflussreichsten Städten Europas zählte.

Doch Sevilla wäre nicht Sevilla, wenn es nur von seiner Vergangenheit leben würde. Die Stadt hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, ihre maurischen Wurzeln, ihre christlich geprägte Architektur und ihre andalusische Lebensfreude zu einem harmonischen Ganzen zu verweben. Hier trifft jahrhundertealte Geschichte auf lebendige Gegenwart: Tapas-Bars, die seit Generationen existieren, stehen neben modernen Rooftop-Locations, traditionelle Keramikkunst begegnet zeitgenössischem Design, und zwischen all dem pulsiert ein Lebensrhythmus, der entspannt und intensiv zugleich ist.

Es ist genau diese Mischung aus Eleganz, Lebensfreude und kultureller Tiefe, die Sevilla so unwiderstehlich macht –  diese Leichtigkeit, mit der die Stadt ihre Gegensätze vereint und Besucher sofort in ihren Bann zieht. Eine Stadt, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Genau der richtige Ort also für ein perfektes Wochenende.

Freitag 17 Uhr

Nach meinem dreistündigen Flug von München nach Sevilla checke ich entspannt im 5*GL Mercer Sevilla ein – einem der elegantesten Boutiquehotels der Stadt und einem Rückzugsort, der andalusische Geschichte mit zeitgenössischem Luxus verbindet. Das Hotel liegt versteckt in den verwinkelten Gassen der Altstadt, nur wenige Schritte von der Kathedrale entfernt, und wirkt wie ein stilvoll gehütetes Geheimnis. Hinter der historischen Fassade eines ehemaligen Adelshauses eröffnen sich hohe Decken, elegante Bögen, ruhige Innenhöfe und ein Design, das klare Moderne mit den warmen Materialien Andalusiens verbindet. Besonders beeindruckend ist die fast private Atmosphäre: leise Musik, sanftes Licht und dieser subtile Duft nach Orangenblüten, der durch den Patio zieht. Die Zimmer strahlen zurückhaltenden Luxus aus – großzügig, lichtdurchflutet und mit genau jener Ruhe, die man sich nach einem Tag in der lebendigen Stadt wünscht. Nach einer kleinen Stärkung im hauseigenen María Luisa Restaurant, das andalusische Klassiker modern und leicht interpretiert, zieht es mich noch einmal hinaus in die warmen Straßen der Altstadt. Vorbei an kleinen Bars, schmalen Gassen und Häuserfassaden voller Bougainvillea zeigt sich Sevilla in diesem magischen Abendlicht, das die Stadt fast unwirklich erscheinen lässt.

21 Uhr

Den Abend lasse ich stilvoll mit einem Cocktail in der La Terraza de EME des Hotels EME Catedral Mercer ausklingen. Direkt gegenüber der imposanten Kathedrale gelegen, gehört die Rooftop-Bar zu den schönsten Aussichtspunkten Sevillas. Während die Glocken der Giralda durch die warme Nachtluft klingen und der Himmel langsam dunkelblau wird, genieße ich einen perfekt gemixten Cocktail mit Blick über die Dächer der Stadt – Sevilla at its best.

Samstag 10 Uhr

Nach meinem Frühstück in aller Ruhe geht es direkt los, denn Sevilla gehört den Flaneuren am Morgen. Erste Station ist der Alcázar – einer der faszinierendsten Königspaläste Europas. Maurische Ornamente treffen hier auf christliche Architektur, filigrane Bögen auf duftende Gärten mit Palmen und Brunnen. Dass hier Szenen von „Game of Thrones“ gedreht wurden, überrascht kaum: Die Anlage wirkt wie eine Fantasiewelt aus Marmor, Wasser und Licht.

12 Uhr

Nur wenige Schritte weiter erhebt sich die imposante und größte gotische Kirche der Welt, die Catedral de Santa María de la Sede, die Kathedrale von Sevilla, und die La Giralda, auf deren Giebel sich die Giraldillo, eine vier Meter hohe weibliche Bronzestatue, dreht und woher der ehemalige Minarett-Turm seinen Namen hat. Er zählt zu den Wahrzeichen der Stadt und wer den Aufstieg über die 35 Rampen, die ursprünglich für Pferde und Esel gedacht waren, wagt, wird mit einem atemberaubenden Panorama-Blick über rote Dächer, Kirchtürme und den Guadalquivir belohnt.

14 Uhr

Danach verliere ich mich ganz bewusst in den engen Gassen des Barrio de Santa Cruz. Kleine Plätze, versteckte Patios und weiß getünchte Häuser machen das ehemalige jüdische Viertel zum romantischsten Teil Sevillas. Hinter fast jeder Ecke wartet eine neue Fotokulisse: ein schattiger Innenhof, ein Gitarrenspieler oder eine winzige Bar mit perfekt gekühltem Vermut. Aber erst einmal geht es zum späten Lunch ins legendäre El Rinconcillo, das als älteste Tapas-Bar der Stadt gilt. Seit 1670 werden hier Jamón Ibérico, Spinat mit Kichererbsen und krokettenartige Köstlichkeiten serviert. Zwischen dunklem Holz, historischen Fliesen und Kellnern, die Bestellungen noch mit Kreide notieren, schmeckt Sevilla plötzlich nach Tradition.

16 Uhr

Einer kleiner Spaziergang zieht mich ans Wasser. An den Ufern des Guadalquivir entdecke ich Sevillas jahrhundertealte Keramiktradition. Besonders im Viertel Triana erzählen Werkstätten und kleine Ateliers von jener Kunst, die die Stadt bis heute prägt: handbemalte Azulejos in leuchtendem Blau, Grün und Ocker, die Fassaden, Innenhöfe und Brunnen Sevillas schmücken.

19 Uhr

Auf der Terrasse des La Barca de Calderon gönne ich mir im entspannten Ambiente einen Apero mit Blick auf das Wasser.

20 Uhr

Und dann freue ich mich auf das Restaurante DeLaO, das von der Natur inspiriert ist und dessen Terrasse in ruhiger Atmosphäre einen Panoramablick auf den Guadalquivir bietet.  Das Designrestaurant verbindet moderne andalusische Küche mit Marktprodukten und kreativer Raffinesse. Fisch, iberisches Schwein und saisonales Gemüse werden hier mit überraschender Leichtigkeit interpretiert – stilvoll, aber nie abgehoben. Mir hat es der Markknochen mit gewürfelter Rinderleber, feinen Zwiebeln und Petersilie angetan und danach in Verbundenheit zum Guadalquivir Arroz Meloso con Cangrejos de Río, ein klassisch andalusisches Reisgericht mit Flusskrebsen. Einfach himmlisch und deswegen ist das DeLaO auch genau die Art von Restaurant, die man am liebsten geheim halten möchte.

22 Uhr

Zurück im Hotel zieht es mich auf einen Schlummertrunk an die imposante FIZZ Bar und ich entdecke die Sherry Mary – die spanische Variante der Bloody Mary.

Sonntag 10 Uhr

Der Sonntag beginnt entspannt im Parque de María Luisa. Unter Palmen und Orangenbäumen spaziere ich in Richtung Plaza de España – jener halbkreisförmigen Monumentalanlage, die wie eine Liebeserklärung an Spanien wirkt. Boote gleiten über kleine Kanäle, Keramikbänke erzählen von den Provinzen des Landes und Musiker sorgen für die passende Kulisse. Spätestens hier versteht man, warum Sevilla so viele Künstler inspiriert.

12 Uhr

Danach geht es zu einem der modernsten Wahrzeichen der Stadt: den Setas de Sevilla, den berühmten „Pilzen von Sevilla“. Die spektakuläre Holzkonstruktion wirkt futuristisch und bildet einen spannenden Kontrast zur historischen Altstadt. Im Casa de Indias Rooftop Bar genieße ich einen letzten Drink mit Blick auf die Pilze – entspannt, stilvoll und mit genau diesem Lebensgefühl, das Sevilla so unwiderstehlich macht.

14 Uhr

Auf dem Rückweg zum Hotel kehre ich auf meine letzten Tapas in der kleinen und feinen Bar La Brunilda ein und lasse alles noch einmal Revue passieren.

17 Uhr

Zeit für den Abschied – zumindest vorerst. Denn Sevilla ist eine Stadt, die man schnell ins Herz schließt und genauso schnell wiedersehen möchte. Vielleicht schon sehr bald zum Icónica Sevilla Fest, wenn sich die Stadt von Ende Mai bis Anfang Juli in eine riesige Open-Air-Bühne verwandelt. Das genreübergreifende Festival bringt internationale Stars vor die spektakuläre Kulisse der Plaza de España – und beweist einmal mehr, dass Sevilla Geschichte und Gegenwart so mühelos verbindet wie kaum eine andere Stadt Europas.

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www.labrunildatapas.com

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