Warum Loslassen so schwerfällt
Loslassen bedeutet nicht nur, sich von etwas zu trennen, sondern oft auch, Kontrolle abzugeben. Die Angst vor Ungewissheit, das Bedürfnis nach Sicherheit und Vorhersehbarkeit sowie der Wunsch nach emotionaler Bindung hindern uns oft daran, etwas oder jemanden gehen zu lassen – selbst dann, wenn uns dies offensichtlich schadet.
Studien zeigen, dass Menschen dazu neigen, vertraute Gedanken, Muster oder Beziehungen gegenüber Neuem zu bevorzugen, weil Vertrautes subjektiv als sicherer und angenehmer wahrgenommen wird (Gal & Rucker, 2018).
Dabei übersehen wir oft: Loslassen bedeutet nicht nur Verlust, sondern ganz oft auch eine innere Befreiung.
Drei Strategien, die beim Loslassen helfen
1. Trennen Sie Erinnerung von Gegenwart
Wir halten oft nicht an der Realität fest, sondern an einer Version, die wir uns wünschen, oder an dem, was einmal war. Versuchen Sie, bewusst zu unterscheiden: Was war früher? Und was ist heute tatsächlich noch da? Das schafft Klarheit.
2. Akzeptieren Sie den Schmerz – Loslassen muss sich nicht gut anfühlen
Loslassen tut weh, und das ist normal. Sagen Sie sich bewusst: „Das darf gerade schmerzhaft sein. Ich muss mich nicht sofort erleichtert fühlen”. Nehmen Sie das Gefühl wahr, ohne es zu analysieren oder zu bewerten.
3. Beenden Sie innere Diskussionen
Loslassen scheitert auch oft an endlosen Gedankenschleifen wie „Ja, aber was wäre, wenn ...” Wenn Sie das bemerken, sagen Sie innerlich klar „Stopp” und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf eine konkrete Tätigkeit im Hier und Jetzt.
Loslassen ist keine einmalige Aktion, die mit einer Entscheidung abgeschlossen ist, sondern ein Prozess. Es braucht Mut, Ehrlichkeit und Selbstmitgefühl, um sich neu orientieren zu können. Denn letztlich bedeutet Loslassen nicht nur, etwas zu verlieren, sondern oft auch, sich Schritt für Schritt das zurückzuholen, was man braucht: Klarheit, innere Ruhe und Selbstwert. Manchmal beginnt genau dort, wo wir aufhören, krampfhaft festzuhalten, etwas Neues: mehr Freiheit, mehr Leichtigkeit und ein Leben, das sich wieder nach uns selbst anfühlt.
Professionelle psychologische Beratung kann in diesem Prozess eine wertvolle Unterstützung sein. Sie hilft dabei, belastende Muster zu erkennen, den Umgang mit schwierigen Emotionen zu stärken und individuelle Strategien zu entwickeln.

