TECHNOLOGIE & ZUKUNFT

Baukasten der Zukunft

Only the Best traf Frank Thelen exklusiv im Zuge der Vorstellung der neuen Luxusklasse G90 des koreanischen Autoherstellers Genesis zum Exklusivinterview im Driver‘s und Business Club der Motorworld in München. Ein Gespräch über Zeit, Innovation und Ziele.
Autor: 
, Fotograf: 
Advertorial
Sie lesen:  
Baukasten der Zukunft

Frank, man hat das Gefühl, Du bist immer unterwegs, arbeitest an mehreren Projekten und bist sehr umtriebig, was die Förderung Europas anbelangt. Hast Du trotz alledem eine innere Ruhe?

Nein, ich lebe und arbeite wirklich an der Spitze der neuesten Technologien, finanziere und baue sie. Seit zehn Jahren beschäftige ich mich mit KI, aber das ist nur ein Teil davon. Es gibt auch die Robotik, komplett verteilte und selbstorganisierte Datensysteme und vieles mehr. Wenn man sieht, was noch alles kommen wird, und wie Europa im Vergleich dazu aufgestellt ist, ist mir das zu wichtig, um meine innere Ruhe zu finden. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass Europa weiterhin relevant bleibt und nicht völlig bedeutungslos wird. Daher verspüre ich gerade kein Bedürfnis nach Entspannung.

Wieviel Zeit bleibt uns noch, bevor wir irrelevant werden?

Niemand kann genau sagen, wie viel Zeit uns noch bleibt, bevor wir irrelevant werden. Das ist das Problem. Die Entwicklung von KI und anderen exponentiellen Technologien ist schwer vorhersehbar. Experten können nicht genau sagen, wann wir eine sogenannte „Singularity“ erreichen werden, also den Punkt, an dem KI so intelligent wird, dass sie selbstständig denken und handeln kann. Es könnte in drei Jahren passieren oder auch später, wir wissen es einfach nicht. Die Zukunft ist ungewiss und das ist eine große Herausforderung. Ich habe mit einem meiner klugen Köpfe Schach gespielt und verschiedene Szenarien durchdacht. Aber oft führen diese Überlegungen zu besorgniserregenden Ergebnissen. Als Rheinländer könnte ich nun sagen: „Et hätt noch immer jot jejange“, also irgendwie hat es immer geklappt. Als Unternehmer und Europäer sieht das ganz anders aus. Ich engagiere mich aktiv, zum Beispiel durch den Aufbau unabhängiger Datennetze im Weltall. Wir dürfen nicht einfach den Amerikanern und Chinesen das Feld überlassen. Das ist schon ein Problem, auch wenn das von unserer westlichen Presse viel kleiner gemacht wird, als es ist. Die Kontrolle über Daten im Weltall wird immer wichtiger, wie man an aktuellen Konflikten sieht. Wer die Datenhoheit im Weltall hat, das entscheidet quasi über Gewinn und Verlust.

Ich glaube, unsere Medien vermitteln uns das nicht vollständig, sie schauen ins Ausland, aber lassen uns nicht richtig daran teilhaben, und wenn man die ausländische Presse liest, dann ist das Bild von Deutschland nicht sehr glorreich.

Ja, das ist richtig. Deutschland hat oft den Ruf, dass alles super läuft, aber das stimmt nicht immer. Schau dir zum Beispiel mal an, wie ich heute in einen Genesis steige und mich frage, ob er vielleicht besser ist als eine S-Klasse. Das kann doch nicht sein! In vielen Bereichen hinken wir hinterher. Wenn wir zum Beispiel darüber sprechen, wer führend in der Entwicklung von KI ist, haben wir in Deutschland kaum Technologie oder Grundlagen. Wir vernachlässigen sogar Daten, was ein großer Fehler ist. Ich denke, wir müssen aufmerksamer sein und eine andere Arbeitskultur entwickeln, in der es okay ist, auch mal länger zu arbeiten. Diese Themen werden momentan in vielen Talkshows diskutiert, aber ich glaube nicht, dass das der richtige Ansatz für unser Land ist. Das ist meine persönliche Meinung. Wir leben in einer Demokratie, also darf jeder eine andere Meinung haben, und das ist gut so. Deutschland muss aber aufwachen und wieder ehrgeiziger werden. Wir müssen wieder den Willen haben, Technologien wie Quantencomputer, 6G, Raketen und Satelliten zu entwickeln.

Wir müssen also wieder hungrig werden. Du wurdest Innovator des Jahrzehnts genannt. Wie schaffen wir in Deutschland eine andere Mentalität für ein innovationsfreundliches Klima?

Das ist ein umfassendes Problem. Es beginnt bei der Politik, die die richtigen Rahmenbedingungen für Innovationen schaffen muss. Derzeit haben wir in Deutschland hohe Bürokratie und Regulierungen, die das Risiko für Innovationen abschrecken. Außerdem brauchen die Universitäten eine andere DNA, es muss wieder eine Einstellung entwickelt werden, um große Systeme zu schaffen und zu fördern. Das vorhandene Kapital, sei es von wohlhabenden Familien oder Pensionskassen, muss in innovative Projekte fließen, was derzeit nicht ausreichend geschieht. Zum Beispiel wird die Fusionsenergie, obwohl wir hier in München eine erstklassige Forschung dazu haben, nicht ausreichend vorangetrieben, sondern eher belächelt. Wir müssen wieder den Pioniergeist fördern, wie es früher bei Ferdinand Porsche, Bosch oder anderen Unternehmen der Fall war. Der Hunger der nächsten Generation muss wieder da sein, um z.B. das beste Sportauto bauen zu wollen. Es gibt zwar einige vielversprechende
Projekte wie den Elektrojet-Bauer Lilium Aviation, aber sie erhalten nicht genug Anerkennung und Unterstützung. Wir haben hier 2016 die Seed-Finanzierung gemacht, inzwischen wurden über 1,4 Milliarden Kapital investiert. Aber es ist nicht so, dass Gründer beklatscht werden und so viel Geld haben, dass sie gar nicht wissen, wohin damit. Wir müssen also dringend umdenken und Innovationen wieder schätzen. Es ist der falsche Weg, Unternehmen wie Tesla anzugreifen, wenn sie mehr Arbeitsplätze schaffen wollen.

Aber wie wollen wir das lösen, wenn das Verständnis dafür fehlt? gefühlt denken heute wenige darüber nach, dass das, was praktisch verdient werden soll, erst einmal von einem Unternehmen erwirtschaftet werden muss.

Die Frage ist, ob wir einen starken Wandel herbeiführen können. Wir leben derzeit in einer Phase, die von Kurzlebigkeit und Oberflächlichkeit geprägt ist. Die Frage ist, ob wir das umkehren können. Ich kann nicht genau sagen, ob das gelingt. Ich persönlich gebe jedoch jeden Tag mein Bestes, um Deutschland wieder auf den Weg des Fortschritts und der Innovation zu bringen. Es ist eine enorme Herausforderung, und ich kann nicht garantieren, dass wir es als Land schaffen werden.

Lieber Frank, als Einstieg hatte ich den Innovation Maverick, Only the Best auf einer Expedition mit Frank Thelen – auf welche Expeditionen in die Zukunft nimmst du uns mit? Welche neuen Technologien beeindrucken Dich am meisten und warum? Was beeindruckt Dich überhaupt?

Was mich an Innovation begeistert, ist, der „Baukasten der Zukunft“ – wie verschiedene Technologien zusammenwirken, um neue Konzepte zu schaffen. KI ist momentan stark im Fokus, allerdings ohne diese richtig zu verstehen. Ich bin vor allem beeindruckt, wie KI mit Robotern und verteilten Blockchain-Systemen interagiert, um Gesamtkonzepte zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist der Fortschritt im 3D-Druck. Obwohl es nach einem großen Hype etwas ruhiger geworden ist, hat sich die Technologie enorm weiterentwickelt. Wir können nun tatsächlich Häuser drucken, was in Zukunft sehr wichtig sein wird. Ich bin begeistert von diesem Zusammenspiel der Technologien und davon, welche neuen Möglichkeiten daraus entstehen können. In den nächsten Jahren werden wir dank dieser Entwicklungen enorme Veränderungen erleben. Bisher haben wir zwar schon große technologische Fortschritte gemacht, wie das Internet und Smartphones,  aber unsere analoge Welt hat sich noch nicht grundlegend verändert. Doch das wird sich bald ändern, wenn all diese Technologien zusammenkommen. Es fasziniert mich, wie schnell sich unsere Welt verändern wird, aber es macht mich auch nachdenklich, wohin diese Veränderungen führen werden. Wir haben keinen Stoppknopf für den technologischen Fortschritt, und andere Länder wie China und die USA treiben die Entwicklung mit Hochdruck weiter voran.

Hast du eine persönliche Lernkurve?

Ja, definitiv! Die Welt ist unglaublich komplex, und die Themen, mit denen ich mich befasse, sind es auch. Zum Beispiel arbeiten wir an einem neuen Protein, das in Zukunft bestimmte Krebsarten behandeln oder heilen könnte. Ich lerne jeden Tag von sehr intelligenten Menschen, und manchmal fühle ich, dass mein Gehirn einfach nicht mehr mithalten kann. Mein größtes Hindernis ist, dass ich in meiner Jugend eher Skateboard gefahren bin, anstatt mich intensiv mit Schule, Chemie oder Biologie zu beschäftigen. Ich habe zwar gute Kenntnisse in Informatik, aber in Chemie und Biologie stoße ich täglich an meine Grenzen. Ob ich eine gute Lernkurve habe? Das kann wohl am besten jemand anderes beurteilen.

Lebst du hier und jetzt?

Ich hoffe, ja, und ich arbeite jeden Tag daran, mehr im Hier und Jetzt zu leben. Es ist nicht einfach, in diesem Zustand der tiefen inneren Zufriedenheit zu verweilen und einfach das zu tun, was man gerade tut. Es hört sich einfach an, ist aber schwierig, da ich oft zu viel auf einmal will und auch immer noch das Bedürfnis habe, es mir selbst zu beweisen. Es gibt viele Ablenkungen, aber ich bemühe mich, jeden Tag besser darin zu werden, im Moment zu leben. Der Weg dorthin ist wahrscheinlich auch das Ziel, und hoffentlich werde ich mit 60 oder 70 Jahren noch besser darin sein.

Matthew McConaughey hat gesagt, sein Held ist er selbst in zehn Jahren, aber nach zehn jahren waren es wieder zehn jahre, sodass sein Antrieb ist, sich Tag für Tag selbst zu vervollkommnen.

Man denkt immer, dass es weitergeht, wenn man ein Ziel erreicht hat. Das ist auch gesund. Für dieses und nächstes Jahr habe ich sehr ehrgeizige Ziele. Mal sehen, was passiert.

Hast Du zum Abschluss ein persönliches Statement für unsere Leser?

Denk daran, dass das Leben endlich ist, und lebe jeden Tag bewusst! Das mag wie ein abgedroschener Spruch klingen, aber oft vergessen wir, wie schnell die Zeit vergeht, während wir im Alltagstrott stecken. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass das Leben kostbar ist und jeder Tag genossen werden sollte. Lass dich nicht von schlechter Stimmung beeinflussen, sondern finde Freude im Leben. Das ist mir persönlich sehr wichtig, auch wenn es mir nicht immer gelingt.

Was bereitet Dir große Freude?

Leider nicht mehr so viel, ehrlich gesagt – vielleicht ist das ein Problem in meinem Leben. Aber was mir große Freude bereitet, sind die Durchbrüche, die wir in schwierigen Projekten erzielen. Wenn wir zum Beispiel an effizienten Energiespeichern arbeiten, fliegende Autos entwickeln oder Gigabitnetze im Weltraum aufbauen können – das macht mich wirklich glücklich. Es erfüllt mich mit Freude, ein Teil davon zu sein und diese Projekte möglich zu machen. Außerdem bringt mir meine Partnerschaft mit meiner Frau große Freude. Auch wenn es nicht immer einfach ist, auf einem hohen Niveau eine gute Beziehung zu führen, bedeutet sie mir sehr viel. Und ich lerne zunehmend, meine Gesundheit zu schätzen. Es macht mich glücklich, jeden Tag gesund aufzuwachen und gesund zu sein.

www.frank.io